Soltau-Süd: Chance für ein starkes, inklusives Stadtquartier mit Famila und Lebenshilfe Soltau
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Soltau steht vor einer richtungsweisenden Entscheidung für die eigene Stadtentwicklung. Im südlichen Stadtgebiet soll ein neues Quartier entstehen, das weit über die Ansiedlung eines einzelnen Marktes hinausgeht. Die aktuellen Planungen zeigen deutlich, dass hier ein integriertes Projekt verfolgt wird, bei dem Wohnen, Nahversorgung, soziale Infrastruktur und wirtschaftliche Entwicklung zusammen gedacht werden. Gemeinsam mit der Unternehmensgruppe Bartels Langness und der Lebenshilfe ist vorgesehen, ein Quartier für rund 500 Menschen mit und ohne Behinderung zu schaffen. Damit geht es nicht nur um neue Gebäude, sondern um ein Stück Stadt, das Teilhabe, Versorgung und Lebensqualität miteinander verbindet.
Ausgangspunkt dieser Entwicklung ist eine seit Jahren bestehende Versorgungslücke im südlichen Kernstadtgebiet. Während insbesondere rund um die Tetendorfer Straße neue Wohngebiete entstehen und die Stadt dort weiter wächst, fehlt es bislang an einer verlässlichen wohnortnahen Versorgung. Genau hier setzt der geplante Vollsortimenter an der Celler Straße an. Er kann diese Lücke schließen und gleichzeitig dazu beitragen, die Versorgungsstruktur im gesamten Stadtgebiet ausgewogener aufzustellen. Für eine Stadt wie Soltau, die als Mittelzentrum Verantwortung für ihr Umland trägt, ist das kein Nebenthema, sondern eine zentrale Aufgabe.
In der öffentlichen Debatte wird häufig die Sorge geäußert, dass ein neuer Markt Kaufkraft aus der Innenstadt abziehen könnte. Diese Sorge ist nicht von der Hand zu weisen, greift aber zu kurz. Entscheidend ist nicht allein die Frage nach Kaufkraftverlagerung, sondern ob der Standort eine reale Lücke schließt und die Stadt als Ganzes stärkt. Die Innenstadt wird nicht dadurch stabilisiert, dass man im Süden bewusst eine Unterversorgung in Kauf nimmt. Im Gegenteil wird sie parallel gezielt weiterentwickelt, etwa durch Investitionen in die Marktstraße und die Stärkung von Aufenthaltsqualität, Gastronomie und Dienstleistungen. Innenstädte funktionieren heute nicht mehr ausschließlich über klassischen Einzelhandel, sondern über eine kluge Mischung verschiedener Nutzungen.
Auch der Blick auf das Fachmarktzentrum Vega zeigt, dass eine differenzierte Betrachtung notwendig ist. Die Entwicklung dort ist positiv und ein wichtiger Baustein für die Gesamtstruktur. Gleichzeitig ist der Standort stark autoorientiert und weniger in gewachsene Wohngebiete eingebunden. Nahversorgung muss jedoch dort stattfinden, wo Menschen leben und ihren Alltag gestalten. Genau darin liegt die besondere Stärke des geplanten Quartiers in Soltau Süd.
Hinzu kommt ein Aspekt, der in dieser Form nicht selbstverständlich ist. Das Projekt verfolgt einen klaren inklusiven Ansatz, bei dem Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam wohnen und leben. Damit entsteht nicht nur dringend benötigter Wohnraum, sondern auch ein sozialer Mehrwert für die gesamte Stadt. Diese Verbindung aus wirtschaftlicher Entwicklung und gesellschaftlicher Verantwortung macht die Qualität des Vorhabens aus.
Gleichzeitig geht es auch um die wirtschaftliche Zukunft Soltaus. Neue Ansiedlungen bedeuten zusätzliche Arbeitsplätze, eine stärkere lokale Wirtschaft und höhere Gewerbesteuereinnahmen. Wer ernsthaft über die finanzielle Handlungsfähigkeit der Stadt spricht, kommt an solchen Projekten nicht vorbei. Wachstum lässt sich nicht allein durch Sparen oder durch immer neue Diskussionen über Steuererhöhungen organisieren, sondern durch gezielte Entwicklung und kluge Standortentscheidungen.
Das vorliegende Einzelhandelsgutachten bietet dafür eine fundierte Grundlage. Es bewertet die Versorgungsstruktur, die Funktion der Innenstadt und die Entwicklungsperspektiven der Stadt systematisch und kommt zu dem Ergebnis, dass ein weiterer Vollsortimenter grundsätzlich tragfähig ist. Gleichzeitig macht es deutlich, dass für das konkrete Vorhaben eine vertiefte Verträglichkeitsprüfung notwendig ist. Genau diese Kombination aus strategischer Einordnung und sorgfältiger Prüfung im Detail ist entscheidend für eine verantwortungsvolle Entscheidung.
Am Ende steht eine klare Abwägung. Das Risiko liegt weniger darin, einen zusätzlichen Standort zu schaffen, sondern vielmehr darin, eine erkennbare Versorgungslücke bestehen zu lassen und eine große Entwicklungschance ungenutzt verstreichen zu lassen. Soltau hat hier die Möglichkeit, ein neues, inklusives und wirtschaftlich starkes Quartier zu entwickeln, das die Stadt langfristig voranbringt.
Politik muss genau an solchen Punkten zeigen, dass sie bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und Zukunft aktiv zu gestalten.





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